
Rote Socken für die SPD-Landesvorsitzende Ronja Enders (3.v.re.) und den IG-BAU Branchensekretär Alois Keller (re.). In der Diskussion positionierten sich neben SPD-Ortsvorsitzender Barbara Kasberger (2.v.li.) und Stadtrat Ludwig Kerscher (li.) der ehemalige Firmenleiter Franz Bayer (3.v.li.) und Gewerkschafter Marco Lang (2.v.re.)
BayernSPD-Vorsitzende Ronja Endres spricht Klartext: „Hitze ist ein Killer“
Hitzeschutz ist eine kommunale Aufgabe - Heiße Tage stellen für viele ein Gesundheitsrisiko dar – Breite Aktionspalette ergänzt Forderungen aus dem Sommer 2024
Am vergangenen Donnerstag lud die Geiselhöringer SPD zu einer weiteren „100 Ideen für Geiselhöring“-Veranstaltung in die Taverne Korfu ein. Thema war dieses Mal die „Gesundheit im Klimawandel“. Unter anderem ging es um ein Hitzeschutzkonzept für Geiselhöring, denn Bund und Land sehen dies als Teil der Kommunalen Daseinsvorsorge. Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutierten die BayernSPD-Vorsitzende Ronja Enders, die auch bei der Erstellung des Muster-Hitzeschutzplanes für Straubing ihre Fachkompetenz eingebracht hatte und Alois Keller, Branchensekretär der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Der ehemalige Firmenleiter Franz Bayer und der Gewerkschafter Marco Lang brachten ihre persönlichen Erfahrungen ein und so entstand eine breite Aktionspalette, die die Forderungen aus dem Sommer 2024 ergänzt. Die Veranstaltung moderierte Stadtrat Ludwig Kerscher.
Einen ersten Vorstoß zum kommunalen Hitzeschutzkonzept für Geiselhöring machte Stadtrat Ludwig Kerscher bereit im Sommer 2024 – dieser wurde von der Stadtverwaltung negativ beschieden: Geiselhöring brauche kein Hitzeschutzkonzept. Geiselhöring sei dafür zu klein. Die Geiselhöringer SPD hat aber den Hitzeschutz weiterhin im Auge und wird weitere Maßnahmen fordern. Die Veranstaltung bot dafür eine Reihe wichtiger Ansätze. „Der Klimawandel wird Hitzeschutz zu einem Dauerthema machen“, erklärte SPD-Ortsvorsitzende Barbara Kasberger mit Verweis auf den erneut zu warmen Juni. Sie forderte auf, zwischen „Wetter“ und „Klima“ zu unterscheiden, denn dies wären zwei völlig verschiedene Dinge.
Das aktuelle Wetter – könnte auch anders sein
Als die Geiselhöringer SPD den Termin zum Hitzekonzept plante, lautete die Wetterprognose: Hitzewelle mit 35 bis 40°C – dass es gerade viel regnet und es kalt ist, werde von Tiefdruckgebieten über Skandinavien bestimmt, die eine lebhafte Westströmung mit mäßig warmer nordatlantischer Luft mit sich bringen, so Barbara Kasberger weiter. Ganz anders das Bild in Südeuropa. Über Südeuropa hat sich dagegen von Spanien über Italien bis zur Türkei eine ausgedehnte Hitzeglocke gebildet, einströmende heiße Luft aus Nordafrika und ein stark erhitztes Mittelmeer trugen vielerorts zu Rekordwerten bei – mit den entsprechenden Folgen: Trockenheit und Waldbrände.
Segensreich wirke sich das Regenwetter auf die Pflanzen und damit für die Landwirtschaft aus, stellte Rainer Pasta fest. Noch in der zweiten Juliwoche hätte der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung eine „Verschärfung der Situation“ angezeigt, vor allem in Sachsen-Anhalt und Berlin-Brandenburg sowie im nördlichen Bayern herrschte verbreitet Trockenheit. Mittlerweile habe sich die Situation deutlich entspannt, wie die Dürrekarten zeigten: Im Norden und im Osten Deutschlands sowie am Alpenrand stehe den Pflanzen wieder vergleichsweise viel Wasser zur Verfügung – die Grundwasserreserven erholten sich.
Wassermanagement – global und lokal – gehört dazu
Doch wie schnell der Regen zur Katastrohe werden kann, habe sich im Ahrtal und nun im Nordwesten Baden-Württembergs gezeigt. Kleinteilige, stabile Unwetter bringen große Wassermassen auf kleinstem Raum: In Riedlingen lösten die Niederschläge wahrscheinlich einen Erdrutsch aus, ein Regionalzug entgleiste, drei Menschen starben, ergänzte Marco Lang. Schon 2018 hat die Geiselhöringer SPD ein Hochwasserschutzkonzept gefordert.
Wasser kann aber auch ein entscheidender Faktor bei Fluchtursachen sein, insbesondere in Regionen, die von Wassermangel oder Konflikten um Wasserressourcen betroffen sind. Ein Mangel an sauberem Trinkwasser, die Verschmutzung von Wasserquellen oder auch die fehlende Wasserverfügbarkeit können zu Konflikten, Armut und letztendlich zur Fluchtursache von Menschen führen, ergänzte die SPD-Landesvorsitzende Ronja Enders.
Geiselhöring braucht ein Hitzeschutzkonzept
Doch zurück zum Hitzeschutzkonzept: Wäre die Wetterlage nur ein klein bisschen anders, so säßen wir heute Abend hier bei mehr als 30°C und die Diskussion verliefe ganz anders, stellte Rainer Pasta fest. „Langanhaltend hohe Temperaturen können große Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Hitzeaktionspläne mit Maßnahmen zur Klimaanpassung in den Kommunen sollen helfen, Temperaturen zu senken, um so die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen abzumildern“, zitierte Ronja Endres die Bayerische Staatsregierung, die kommunale Hitzeaktionspläne nicht nur als zentralen Baustein zum Gesundheitsschutz bei steigenden Temperaturen, sondern auch als wichtiger Bestandteil von regionalen Strategien zur Klimaanpassung sieht. Zentral seien in Hitzeaktionsplänen vor allem präventive Maßnahmen, mit denen sich Kommunen mittel- beziehungsweise langfristig an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen könnten. Mustergültig habe dies die Stadt Straubing für ganz Bayern erarbeitet – mit dabei Ronja Enders als Projektleiterin des dabei federführenden PECO Instituts. Ihr Resümee: „Hitze ist ein Killer“. In der abschließenden Diskussion entstand eine breite Aktionspalette zum Hitzeschutz in Geiselhöring, die die Forderungen aus dem Sommer 2024 ergänzt.
Die Stadt ist auch als Arbeitgeber gefordert
Die Die Arbeitsstättenverordnung fordert ab 26 °C Hitze im Büro oder am Innen-Arbeitsplatz, dass der Arbeitgeber tätig werden müsse, so Franz Bayer. Hitzefrei gibt es bei der Arbeit nicht, aber ab 30 Grad im Raum muss der Chef für Abkühlung sorgen. Zum Beispiel durch Verschattung oder Ventilatoren. Steigen die Temperaturen auf über 35 Grad, ist der Raum ohne weitere Maßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet – das betrifft neben den Bürokräften auch auf Lehrerinnen und Lehrer sowie Kindergarten und Kitapersonal zu, ergänzt Ronja Enders. Nur für Kinder ist bisher kein Schutz vorgesehen, ergänzt Barbara Kasberger.
„Die Sonne brennt, es ist fast unerträglich heiß, und trotzdem müssen viele von uns draußen arbeiten“, brachte es Alois Keller, IG-BAU Branchensekretär, auf den Punkt und gab gibt hilfreiche Tipps, wie man gesundheitlichen Schäden an heißen Tagen vorbeugt. „Kopfschmerzen, Konzentrationsverlust, Benommenheit, Übelkeit – Wassermangel kann schnell zum Hitzschlag führen“, wusste der Fachmann der IG BAU zu berichten. Arbeitgeber sind bei Hitzearbeit dazu verpflichtet, Wasser oder andere nicht alkoholische Getränke zur Verfügung zu stellen. „Das ist in der Arbeitsstättenverordnung klar geregelt“, so Keller.
Der Gewerkschafter warnte davor, das Risiko UV-Strahlung auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Gefahr, im Job Hautkrebs zu bekommen, werde immer noch enorm unterschätzt. „Wer in praller Sonne arbeitet, muss höllisch aufpassen. Denn das Entstehen von Hautkrebs hängt ganz wesentlich davon ab, wie hoch die Gesamtdosis an Sonneneinstrahlung ist, der ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Die Haut vergisst nichts“. Das betreffe nicht nur die Bauhof- und Pflegekräfte der Stadt Geiselhöring, sondern alle, die unter freiem Himmel auf Baustellen, auf dem Feld, in Garten-, Sport- und Parkanlagen arbeiten. „Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor gehört griffbereit in jede Arbeitshose. Und dann heißt es regelmäßig eincremen, eincremen, eincremen.“ Die Gewerkschaft habe lange dafür gekämpft, die Situation von Betroffenen zu verbessern. Mit Erfolg: Der helle Hautkrebs ist seit 2015 eine anerkannte Berufskrankheit.
Schlechtwettergeld im Sommer
Bei Temperaturen von 30 Grad und mehr stehen viele Baumaschinen still, für „Draußen-Arbeiter“ bestehen erhöhte Gesundheitsgefahren. „Die Leistung läßt nach, die Fehlerquote erhöht sich, das Unfallrisiko steigt“, so Keller. Die IG-Bau fordere deshalb, die Regelungen zur Schlechtwetterzeit anzupassen und das Saison-Kurzarbeitergeld auf die Sommermonate auszuweiten. Gerade kleine, Unternehmer geführte Firmen reagierten bei Hitze flexibel, große Firmen mit Termindruck tun sich da Schwerer. Hier muss schon bei der Ausschreibung, auf die Problematik „Hitze“ eingegangen werden, fordert Keller zusätzlich.
Klimakrise = Kapitalismuskrise
Abschließend erklärte die SPD-Landesvorsitzende, dass es sich bei der angesprochenen Klimakrise vor allem um eine Kapitalismuskrise handele: „Wir produzieren immer noch viel zu viel unnütze Dinge und verbrauchen immer noch über unsere Verhältnisse an natürlichen Ressourcen – dabei produzieren wir uneingeschränkt große Mengen an CO2“. Eine Trendwende sei nicht abzusehen und wenn man wisse, wie träge die Klimaanpassung auf Veränderungen reagiere, sei es unverantwortlich unseren Kindern und Enkeln eine solche Bürde aufzuerlegen. „Ich wünsche allen einen geilen Sommer – und dass es allen dabei gut geht, ganz ohne Sonnenbrand, Hitzschlag, oder Sonnenstich“, verabschiedete sich Ronja Enders und wünschte dem engagierten Bürgermeisterkandidaten der SPD, Ludwig Kerscher, viel Erfolg.