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100 Ideen für Geiselhöring: Lebensqualität im Alter

Veröffentlicht am 26.09.2025 in Ortsverein

Freuten sich über eine gelungene Veranstaltung: v.l. Bürgermeisterkandidat Ludwig Kerscher, Ralf Neißer, Ortsvorsitzende Barbara Kasberger, die Referenten Andreas Neumann und Johannes Just sowie Rainer Pasta und Rainer Lehinger

„… und dann fällt einem langsam aber sicher die Decke auf den Kopf!“

Geiselhöringer SPD diskutiert mit AWO-Experten über Lebensqualität im Alter

Die Geiselhöringer SPD diskutierte in der Reihe „100 Ideen für Geiselhöring“ am vergangenen Mittwoch in der Taverne Korfu mit ihrem Bürgermeisterkandidaten, Stadtrat Ludwig Kerscher und den Experten der AWO Andreas Neumann (Geiselhöring) und Johannes Just (Vilshofen), wie man die Stärkung der sozialen Teilhabe älterer Menschen vor Ort unterstützen kann. Ortsvorsitzende Barbara Kasberger begrüßte neben den Referenten eine Reihe Seniorinnen und Senioren, die sich eifrig an der Diskussion beteiligten. Rainer Lehinger brachte als Betroffener mit in die Diskussion ein, dass die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung in diesem Zusammenhang nicht außen vorgelassen werden darf, denn für sie treffen die Problematik vor Ort auch zu.

Johannes Just hielt Eingangs ein kurzes Referat zur Vorsorge und über die finanziellen Rahmenbedingungen bei einer Pflegebedürftigkeit. Er führt das Pflegeheim mit rund 150 Mitarbeitern, 120 vollstationären Pflegeplätzen und einer solitären Tagespflege und erklärte, dass das Pflegeheim der zweit größte Arbeitgeber der Stadt Vilshofen sei. „Manchmal geht es ganz schnell. Ein Unfall, eine Krankheit oder das Alter können dazu führen, dass es wichtig wird, ob und welche Vorsorge man getroffen hat“, so Just in seinem Statement. Ehepartner oder Kinder könnten nicht automatisch handeln, sondern brauchen eine Vollmacht. „Legen Sie frühzeitig Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen fest – für eine medizinische Versorgung und für alle rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten. So schaffen Sie Sicherheit und Klarheit für sich und Ihre Angehörigen. Zur Vorsorge für den Fall der Fälle gehören eine Betreuungsverfügung, eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht“, so sein Appell an die Anwesenden.

Hoher Beratungsbedarf rund um die richte Vorsorge

Im zweiten Teil seines Vortrages ging es um die finanziellen Rahmenbedingungen für den Aufenthalt im Pflegeheim. Der derzeitige durchschnittliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz liege bei etwas über 3.000 Euro – mit weiter steigender Tendenz, so Just. Der Referent bedauerte in diesem Zusammenhang, dass die soziale Pflegeversicherung 1995 nach einer langen gesellschaftlichen Debatte als Teilabsicherung des Pflegerisikos eingeführt wurde. Dadurch sollten einerseits die finanzielle Belastung der Versicherten begrenzt werden, anderseits sollten die Lohnnebenkosten nicht über Gebühr ansteigen, um Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. „Mit dem Ergebnis, dass sich fast niemand mehr aus eigner Kraft einen Heimplatz leisten kann und zum überwiegenden Großteil der Fälle die Sozialhilfe einspringen muss“, so Just weiter. Hier sieht weder das Land noch der Bund größeren Handlungsbedarf, weil die Kosten dafür die Bezirke und indirekt über Kreis und Bezirksumlage die Kommunen belastet würden. Eine wichtige Frage aus dem Publikum war die Beteiligung der Angehörigen bzw. das unantastbare Schonvermögen der betroffenen Person. Johannes Just gab auch hierzu detailliert Auskunft.

Ein sogenannter Pflegestützpunkte ist eine kommunale Aufgabe

Für diese Fragen, so das Resümee von Ludwig Kerscher, fehle in Geiselhöring eine kompetente Beratungsstelle. Ein Pflegeberatung sollte pflegebedürftige Mneschen und ihre Angehörigen dabei unterstützen, eine individuelle Versorgungsplanung zu erstellen, sich in der Pflegelandschaft zu orientieren und die richtigen Leistungen und Hilfsangebote zu finden. Andreas Neumann erklärte dazu, dass das AWO-Seniorenheim dies zwar leisten könne, allerdings sind sogenannte Pflegestützpunkte eine kommunale Aufgabe, die eine zentrale Anlaufstelle für Pflegebedürftige und Angehörige bilden und in denen umfassende Beratung, Vermittlung und Koordination von Hilfen erfolgten. Kommunen seien für die Altenplanung zuständig und vernetzen die kommunale Infrastruktur mit Angeboten der Kranken- und Pflegekassen, um ein bedarfsgerechtes Hilfesystem zu schaffen. 

„in domo“ eine Geiselhöringer Besonderheit

Andreas Neumann, Einrichtungsleiter im Seniorenheim Geiselhöring und damit Nachfolger von Ralf Neißer, bestritt den zweiten Teil der Veranstaltung und stellte kurz die aktuelle Situation in Geiselhöring vor. Gerade im Zusammenhang mit dem Erhalt von sozialen Kontakten und der Teilhabe am aktiven gesellschaftlichen Leben, ermögliche das Angebot von „in domo“ Seniorinnen und Senioren durch verschiedene Hilfen möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden zu wohnen“. Für jede Seniorin und jeden Senior werde ein individuelles Paket an Hilfeleistungen zusammengestellt, das jederzeit verändert und angepasst werden könne. Gerade für die Seniorinnen und Senioren, die noch zuhause wohnen gäbe es ein vielfältiges Programm um gesellschaftliche Kontakte aufrechtzuerhalten, so Neumann. Hier jedoch fängt es mit den Problemen an, wie die Diskussion ergab.

Wer selbst nicht mehr mobil ist hat Pech gehabt

„Für die Senioren und unsere älteren Mitmenschen ist Geiselhöring der ideale Ort, um sich wohl zu fühlen“, heißt es auf der Homepage der Stadt und einmal im Jahr werden die Bewohner über 65 zum Seniorennachmittag eingeladen. In der Realität gibt es aber keine speziellen Angebote für ältere Menschen – oder Menschen mit Einschränkungen - gegen Einsamkeit sowie solche zur Förderung von Mobilität, Gesundheit und Beweglichkeit, Bildung, Begegnung und Austausch. Und selbst wenn einmal etwas angeboten werde, könnten dies nur Menschen nutzen, die selbst mobil sind, das musste auch Andreas Neumann einräumen. Die anwesenden Seniorinnen und Senioren hatten auch gleich eine ganze Reihe von Ideen parat, was in Geiselhöring die Lebensqualität der älteren Bevölkerung verbessern könnte. Es wurde aber auch schnell klar, dass – ähnlich wie beim Themenschwerpunkt Kultur – es an „Raum, Freiheit und Mut“ mangele und dass selbst gute Ideen und ehrenamtliches Engagement im Keim erstickt würden. Dies habe zur Folge, so schilderte es ein Betroffener, dass er zuhause sitze und nichts mit sich anzufangen weiß „und dann fällt einem langsam aber sicher die Decke auf den Kopf!“, so sein ernüchterndes Fazit.

 

Homepage SPD Geiselhöring

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