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Geiselhöring bleibt bunt

Veröffentlicht am 22.10.2026 in Allgemein

Erst Wirtschaftsförderung versprechen – dann ganze Branchen unter Generalverdacht stellen?

Die Wählervereinigung „Friedliches Geiselhöring/AfD“ (FG/AfD) verspricht in ihrem Wahlprogramm, die heimische Wirtschaft zu stärken, örtliche Unternehmen zu fördern und regionale Wertschöpfung zu sichern. Gilt dieses Versprechen auch für Dönerläden, Barbershops und andere Geschäfte, die zum wirtschaftlichen Leben Geiselhörings beitragen?

Diese Frage drängt sich angesichts eines umfangreichen Beitrags von Siegfried Birl auf. Darin werden ausgerechnet diese Gewerbezweige mit Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Sozialleistungsbetrug und angeblich verdächtigen Luxusautos in Verbindung gebracht. Konkrete Betrugsfälle aus Geiselhöring nennt der Autor nicht.

Ein bekanntes Thema aus AfD-Anfragen

Neu ist diese Debatte nicht. Bereits im November 2025 beschäftigte sich die AfD im Bayerischen Landtag mit Rechtsverstößen in Barbershops. Im August 2026 thematisierte eine AfD-Anfrage im Bundestag die Nutzung legaler Wirtschaftsstrukturen durch die organisierte Kriminalität. Nun tauchen ähnliche Themen bei FG/AfD in Geiselhöring auf. Eine direkte Übernahme des Textes ist nicht nachgewiesen, die thematischen Parallelen sind jedoch erkennbar.

Was sagen die Statistiken?

Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Geldwäsche sind ernsthafte Probleme. Sie betreffen zahlreiche Wirtschaftszweige – vom Baugewerbe über Gastronomie, Transport und Logistik bis zur Gebäudereinigung, zum Kfz-Handel und zu Sicherheitsdiensten.

Auffällig ist deshalb die Auswahl von Dönerläden, Barbershops und kinderreichen Familien. Gerade in diesen Gewerbezweigen sind viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte beschäftigt.

Die Zahlen beziehen sich auf abhängig Beschäftigte, nicht auf Betriebsinhaber. Sie zeigen zugleich, dass in diesen Branchen zahlreiche Menschen ohne Einwanderungsgeschichte tätig sind. Wer ganze Gewerbezweige unter Generalverdacht stellt, trifft deshalb Unternehmerinnen und Unternehmer unabhängig von ihrer Herkunft.

Millionenbeträge aus Rechenspielen

Besonders fragwürdig sind die hypothetischen Berechnungen, in denen kinderreiche Familien, Sozialleistungen und frei gewählte Betrugsannahmen miteinander verknüpft werden. Daraus entstehen beeindruckende Millionensummen – aber keine nachgewiesenen Straftaten.

Auch ein teures Auto macht seinen Besitzer nicht zum Steuerbetrüger. Schließlich weist das Bundesfinanzministerium selbst auf Geldwäscherisiken im Kfz- und Luxuswagenhandel hin. Niemand käme deshalb auf die Idee, sämtliche Autohändler oder Besitzer hochwertiger Fahrzeuge zu verdächtigen.

Und wie sieht es in Geiselhöring aus?

Dass erhebliche Vorwürfe wegen vorenthaltener Sozialversicherungsbeiträge keineswegs auf die genannten Gewerbezweige beschränkt sind, zeigt ein Strafverfahren gegen einen Geiselhöringer Landwirt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund 8,3 Millionen Euro vorenthalten zu haben. Das Verfahren ist wegen Verhandlungsunfähigkeit ausgesetzt; selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung.

Hier geht es um einen konkreten Millionenvorwurf aus der Landwirtschaft und nicht um frei konstruierte Betrugsmodelle.

Ob Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk oder Kfz-Gewerbe: Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug müssen konsequent verfolgt werden. Entscheidend sind Beweise und rechtsstaatliche Verfahren – nicht die Herkunft eines Unternehmers, seine Familiengröße oder sein Auto.

Wer die heimische Wirtschaft stärken will, sollte alle Unternehmen fair behandeln. Gerade in einer Stadt wie Geiselhöring darf aus pauschalen Verdächtigungen kein Misstrauen gegenüber den Menschen werden, die hier arbeiten, investieren und Arbeitsplätze schaffen.

Homepage SPD Geiselhöring

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