
Das FACEBOOK-Portal „Geiselhöring bleibt bunt“ ist als erste Anlaufstelle für den neuen Helferkreis reaktiviert worden – Interessierte können sich hier anmelden und die neusten Infos abrufen.
Vergewaltigungen und Messerstechereien – Fehlanzeige!
Geiselhöring als „Flüchtlingsstadt“ – Freiwillige wollen Helferkreis bilden
Am vergangenen Mittwoch veranstaltete die Geiselhöring SPD ihre 2. Dialog-Veranstaltung des Jahres 2025 in der Taverne Korfu in Geiselhöring. Mit dem aktuellen Thema „Asylunterkunft in Geiselhöring - Ängste abbauen – der Hetze entgegentreten“ wurde eine große Gruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger jeden Alters angesprochen. Als Gesprächspartner konnte mit Kreisrat und 2. Bürgermeister Martin Kreutz aus Mallersdorf-Pfaffenberg ein erfahrener Praktiker aus unserer Nachbargemeinde gewonnen werden. Kreutz hat vielfältige und langjährige Erfahrungen mit wesentlich größeren Asylbewerberunterkünfte und weiß, wie diese vor Ort organisiert werden müssen, damit die Integration von Asylbewerbern und Aufenthaltsberechtigten gelingt.
Ziel der Geiselhöringer SPD war es, durch ein Bekenntnis zu Demokratie und Vielfalt sowie Freiheit, Toleranz und Offenheit auch ein Zeichen zu setzen. „Wir sehen die gesellschaftliche Verpflichtung zur Unterbringung und zum Schutz von Geflüchteten“, so Ortsvorsitzende Barbara Kasberger in ihrer Begrüßung. Dabei müsse Hass, Gewalt und Hetze, Intoleranz, Rassismus, Diskriminierung und der Ablehnung demokratischer Werte strikt entgegengetreten werden. Dies bezog sich vor allem auf die Initiative „Für ein friedliches Geiselhöring“, welche mit grenzwertigen Behauptungen und Drohungen gegen eine geplante Asylbewerberunterkunft am Bahnhof Stimmung macht und Ängste schürt. „Wir setzen uns konstruktiv mit der Asylfrage auseinander und suchen nach Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger aber auch für die Asylbewerber. Das heißt“, so Kasberger weiter, „dass bei der Umsetzung der Asylunterkunft die von den Bürgern bereits geäußerten Sorgen ernst zu nehmen sind“.
Mallersdorf-Pfaffenberg: „Außer der einen oder anderen internen Schlägerei ist nichts passiert“
Die wichtigste und entscheidende Frage an Martin Kreutz war natürlich, welche Gefahren eine große Asylbewerber-Gruppe für den Ort bedeute. Mallersdorf hat zwei große und mehrere kleine Unterkünfte, zusammen bei voller Belegung um die 350 Personen aus verschiedenen Ländern. Für Geiselhöring ist ein Kontingent von max. 68 zusätzlich zu den vorhandenen Plätzen im Jugendtagungshaus geplant. Doch wie sah es nun aus mit Vergewaltigungen und Messerstechereien in Mallersdorf-Pfaffenberg in den vergangenen Jahren? „Fehlanzeige“, so Martin Kreutz. „Außer der einen oder anderen internen Schlägerei ist nichts passiert“. Das größte Problem waren die integrierten Rauchmeldeanlagen, die sich mit dem Kochverhalten der Flüchtlinge nicht in Einklang bringen ließen und erst nach dem Einbau weiterer Temperaturfühler konnte das Problem behoben werden.
Viele positive persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse
In der folgenden Diskussion mit den Anwesenden ging es vor allem um die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Arbeit in den Helferkreisen in Geiselhöring und Mallersdorf-Pfaffenberg. Hier überwogen eindeutig die positiven Erlebnisse und niemand konnte auch nur im Ansatz eine negative oder gar gefährliche Erfahrung einbringen.
Das A und O sei natürlich das Erlernen der deutschen Sprache, so der Referent. Hier sei von Anfang an Hilfestellung jeder Art zu geben. Neben den Sprachkursen wurden dabei die besten Erfahrungen über die Einbindung der Flüchtlinge in das alltägliche Leben erzielt: Arbeit, Sport, gesellschaftliches Beisammensein – so lerne man die neue Sprache am schnellsten.
Flüchtlingsstadt Geiselhöring
In den anschließenden sehr informativen und ruhigen Gesprächen wurden verschiedenste Punkte aufgegriffen. Vom Bedarf an Zuwanderung um die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu stärken, das Kennenlernen neuer Menschen und anderer Kulturen war alles dabei. Ein Hinweis war besonders interessant: Menschen, die selbst oder in ihrer Familie eine Migrationsgeschichte haben, so eine Aussage, wären viel eher bereit, sich der neuen Herausforderung zu stellen als die, die schon immer hier gelebt haben. Dabei sei nicht zu vergessen, dass Geiselhöring eine „Flüchtlingsstadt“ war. Erst der Zuzug von vielen Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg habe aus Geiselhöring eine Stadt gemacht und auch sonst viele neue Impulse gebracht. Auch damals seien die „Flüchtlinge“ nicht willkommen gewesen und es dauerte mehrere Generationen bis der Nimbus vom „Flüchtlingskind“ keine Rolle mehr spielte.
Es wurden auch kritische Themen angesprochen, wie traumatisierte Flüchtlinge, den Umgang mit ihnen und etwaige Hilfestellungen. Hier hat sich gezeigt, dass die Gesellschaft heute viel besser auf die Eingliederung und Betreuung von Geflüchteten vorbereitet ist als vor 10 Jahren. Es wurde aber auch deutlich, dass der Widerstand aufgrund der wachsenden Selbstüberschätzung rechter Kreise eine andere Qualität habe als früher. Dies stelle nicht nur eine konkrete Gefahr für viele Menschen innerhalb unserer Gesellschaft dar, sondern gefährde auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt.
Bedenken und Protest ist legitim – aber Wahrheit muss Wahrheit bleiben
Natürlich gab es auch in Mallersdorf-Pfaffenberg Bedenken und Protest – bis hin zu einer Petition an den Bayerischen Landtag, um eine Unterbringung Geflüchteter, vor allem in der Größenordnung zu verhindern – ohne Erfolg! Es sei nun mal die Aufgabe der Kommunen, die Asylbewerber aufzunehmen und zu versorgen, im Späteren nach der Anerkennung zu integrieren. Aus der Praxis habe sich gezeigt, dass kleinere Unterkünfte leichter zu betreuen sind, die Regierung von Niederbayern setze aber weiterhin auf größere Einheiten, erklärte Martin Kreutz.
Bei der Unterbringung von vier Personen in einem Zimmer, es stehen pro Person nur sieben Quadratmeter zur Verfügung, und dies über 24 Stunden am Tag und z.T. ohne Ausweichmöglichkeit, Beschäftigung und jeder Privatsphäre, wären Konflikte vorprogrammiert, so Kreutz weiter. Da ginge es uns nicht anders. Jeder Jugendliche weiß, was ein eigenes Zimmer für ein Gewinn sei! Hier ist von der Stadt Geiselhöring auf jeden Fall eine Hausmeisterstelle (in der aktuellen Größe nicht vorgesehen) und eine Auswahl von sich vertragenden Nationen dingend zu verlangen, so Kreutz. Das dies bereits zugesagt wurde, bestätigte Stadtrat Josef Eisenhut.
Bürgerinnen und Bürger zur Hilfe bereit – aber die Stadt muss die Rahmenbedingungen schaffen
Von den Anwesenden erklärten sich eine große Anzahl von Personen bereit, ihren Möglichkeiten entsprechend, bei der Integration der neuen – und bereits im Jugendtagungshaus untergebrachten – Flüchtlinge zu helfen. Ein Problem sei dabei die Abschottung der Flüchtlinge und die Isolierung innerhalb der Unterkünfte. Für einem Appell an die Stadt, einen entsprechenden Helferkreis zu bilden und umfassend zu unterstützen, dem Aufruf an die Vereine der Stadt, Flüchtlinge aufzunehmen und im Vorfeld alles Erdenkliche zu klären, um die Situation zu entschärfen, wollen sich die SPD-Stadträte Josef Eisenhut und Ludwig Kerscher an die anderen Fraktionen mit der Bitte um Unterstützung wenden.