Michael Meister!

Demokratie-Konzert am 7.2.2026

Veröffentlicht am 08.02.2026 in Allgemein

Bunt und laut für Demokratie, Vielfalt und Toleranz

„Geiselhöring bleibt bunt“ organisierte Demokratie-Konzert – parteiübergreifend gegen rassistische Politik, Hass und Desinformation

Organisationsleiterin Barbara Kasberger begrüßte am Samstagabend die anwesenden Stadträte Angela Ramsauer, Hermann Wocheslander und Ludwig Kerscher, auch Bürgermeisterkandidat, so wie Oskar Saller, SPD-Landratskandidat zum Demokratie-Konzert der Initiative „Geiselhöring bleibt bunt“ im Garten der Familie Schmiedeberg in Sallach. „Es ist richtig gut zu sehen, wie viele gekommen sind“, so Kasberger zu den weit über 50 Teilnehmern, die es sich trotz winterlichen Temperaturen und Schneematsch nicht nehmen ließen dieses Konzert zu besuchen. „Wir sind hier, weil unsere Demokratie gerade keine Selbstverständlichkeit ist. Sie wird angegriffen – von Kräften, die spalten, ausgrenzen und unsere Vielfalt infrage stellen. Und genau dagegen setzen wir heute ein Zeichen“, erklärte Kasberger unter der Regenbogenflagge, die als überparteiliches Symbol für Demokratie, Vielfalt und Toleranz Pate für dieses Konzert stand. „Der Regenbogen steht für das, was unsere Gesellschaft stark macht: Unterschiedlichkeit. Viele Farben, viele Stimmen, viele Lebensentwürfe. Keine Farbe allein macht das Bild – erst zusammen wird’s stark. Und genauso verstehen wir Demokratie“ so Kasberger weiter.

Ein ganz großes Dankeschön ging an Helmut Schmiedeberg und seine Frau, die die Remise in ihrem Garten zur Verfügung gestellt hatten. Und ihr Danke ging auch an alle Musikerinnen und Musiker und an alle, die im Hintergrund mitgeholfen hatten. „Und danke jedem einzelnen, dass er heute hier ist. Allein die zahlreiche Anwesenheit zeigt: Demokratie lebt“. Alle demokratischen Parteien waren vertreten. „Wie schön. Ob grün, rot, schwarz oder orange, wir stehen hier um ein Zeichen zu setzen für unsere freiheitliche Grundordnung!“ beendete Kasberger ihr Statement.

Über 15 Jahre Aktionsbündnis „Geiselhöring bleibt bunt“

Rainer Pasta, Sprecher des Aktionsbündnisses „Geiselhöring bleibt bunt“ erzählte über die Gründung des Bündnisses 2010, als Neonazis zweimal im Jahr Geiselhöring überschwemmten. Ursache war der Lagerverkauf des Wikinger-Versand von Siegfried Birl. „Diesen Wikinger-Versand gibt es nicht mehr – „Geiselhöring bleibt bunt“ aber schon“, so Pasta. Er berichtete weiter, dass in der sogenannten „Flüchtlingskrise “ wenig Aufregung in der „Flüchtlingskrise 2015/16“ zu vermelden war und die Mitglieder in den Helferkreisen aktiv waren. Nach einer langen Pause seien im Sommer 2025 die unsäglichen Plakate gegen ein Asylheim aufgetaucht und die Gründung der Initiative „Friedliches Geiselhöring“ mit Manfred Fuss und Siegfried Birl erfolgt. Die Wiederbelegung von „Geiselhöring bleibt bunt“ war unumgänglich, denn trotz aller Aussagen des Initiators Manfred Fuss, es gebe keine Verbindung zur AfD waren leeren Worte. „Wir mussten, dass es anders kommen wird“, so Pasta. Es folgten die Vorbereitungen neue Helferkreise zu bilden. Doch das Asylbewerberheim kam nicht – die Plakate aber bleiben! „Dann tauchte Manfred Fuss auf AfD-Kreistagsliste auf und es kam zum Zusammenschluss mit der AfD zur Kommunalwahl, Manfred Fuss ist nun scheinbar auch aktives AfD-Mitglied“, stellte Pasta fest. Der bisherige Höhepunkt sei der heutige Auftritt der berüchtigten Kartin Ebner-Steiner, MdL und das „Gesicht der AfD in Niederbayern“ im Sportheim in Sallach. Dem habe das Bündnis „Geiselhöring bleibt bunt“ dieses Demokratie-Konzert entgegengesetzt. Pasta erinnerte, dass Reinhard Peter von den „Ruam“ schon 2010 und 2011 dabei war, u.a. mit Sepp Raith. „Nun sind wir 15 Jahre älter – aber kein bisschen leiser“, so Pasta. Dieser zeigte sich auch überzeugt, dass dies sicher nicht das letzte Demokratie-Konzert sei, denn wenn die Geiselhöringer Gastronomie keine Probleme mit AfD habe, würden zukünftig Kreis- und Bezirkskonferenzen mit allem Drum und Dran hier stattfänden. Pasta zeigte sich hoffnungsvoll, dass dann auch Geiselhöringer Beteiligung zu rechnen sei. „Wir haben stimmmächtige Chöre und zünftige Musikanten, die dann auch mit Stellung beziehen, statt auf dem Sofa zu sitzen“, so Pasta.

Das Oberpfälzer Rockkabarett „Die Ruam" aus Regensburg

Kurz nach 18 Uhr gab Rainer Pasta die „Bühne frei“ und das Oberpfälzer Rockkabarett „Die Ruam" aus Regensburg eröffnete das Konzert. Hierzu traten Claus Hofmann (Gitarren, Mandoline, Gesang), Hermann Leeb (E-Gitarre, Slide, Klavier), Michl Hofmann (E-Gitarre, Bass, Drums), Reinhard Peter (Bass, Drums, Gesang), Sabine Olschewski (Gesang) und Uli Teichmann (Saxophon, Klarinette, Querflöte, Klavier) auf. Sie präsentierten eigene Lieder und Cover-Songs u.a. von Udo Lindenberg. Eines der Stücke, „Wir brauchen keinen Führer“, frei nach Udo Lindenberg, ist ein Stück, dass zig Jahre nach der Erstaufführung, heute noch aktuell ist wie damals. In dem Lied heißt es: „Wir sind wir weiter hellwach und wehrhaft gegen die ewig gestrigen rechten Menschenfeinde. Die Brut aus der braunen Kloake des Gestern kann ihre Fascho-Fratze nicht mehr verbergen. … wir stehen auf und werden laut für unsere Demokratie, unsere Verfassung, für unsere bunte Republik“, besser konnte man das Demokratie-Konzert nicht umschreiben.

Nach vielen guten, mitreißenden Liedern endete die Gruppe mit dem Song „Wir ziehen in den Frieden“. Darin werden u.a. die Artikel 1 (Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Recht geboren. Sie sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen) und 3 (Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt oder bevorzugt werden) unseres Grundgesetzes zitiert. Im Weiteren heißt es in dem Lied, dass hier „weit und breit kein neues Drittes Reich in Sicht" sei und „viele sagen immer noch: Das wird sich niemals wiederholen. Dem gegenüber steht die Realität: „Aber seht ihr denn nicht an den Häuserwänden dieselben alten neuen Parolen?“ Band und Publikum sangen mit Begeisterung den Refrain: „Komm wir ziehen in den Frieden. Wir sind mehr als du glaubst. Wir sind schlafende Riesen. Aber jetzt stehen wir auf! Lass sie ruhig sagen, dass wir Träumer sind am Ende werden wir gewinnen. Wir lassen diese Welt nicht unter gehen! Komm wir ziehen in den Frieden!“

Herbert Schmid und Martin Neubert präsentierten Arbeiterlieder

Den zweiten musikalischen Part bestritt Herbert Schmid vom Aktionsbündnis „Weiden ist bunt“, der im Duett mit Martin Neubert aus Hunderdorf alte Arbeiterlieder vortrug. Arbeiterlieder klangen nicht nur wie ein Versprechen, sie waren eins – für ein besseres Leben, eine bessere Zukunft, für Gerechtigkeit und Solidarität. Sie fungierten als Widerstandslieder, um den Zusammenhalt der Arbeiterklasse zu stärken und Mut zu machen. Schmied präsentierte Lieder von Bertolt Brecht oder aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den italienischen oder spanischen Faschismus. So z.B. „Der Revoluzzer“ von Erich Mühsam oder das allseits bekannte „Bella Ciao“. Dies ist wohl das bekannteste antifaschistische Lied weltweit. Mit dem abgewandelten Volkslied, das inzwischen zum Kampflied gegen die Afd wurde, konnte Schmid punkten. „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land, gegen Hass und Hetze hier im Land, haltet fest zusammen, haltet fest zusammen!“

„Die Arbeiter von Wien“, ein ebenfalls bekanntes österreichisches Kampflied der Arbeiterbewegung, dessen Text der Schriftsteller Fritz Brügel vermutlich nach den Unruhen des 15. Juli 1927 verfasste, beendeten Schmid und Neubert ihre Darbietung. Das Lied gilt als Symbol des sozialistischen Widerstands. In der letzten Strophe heißt es: „Wie auch die Lüge uns schmähend umkreist, alles besiegend erhebt sich der Geist. Kerker und Eisen zerbricht seine Macht, wenn wir uns rüsten zur letzten Schlacht“. Und er Refrain endet mit den Worten: „Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer. Wir sind die Arbeiter von Wien“.

In Sallach sangen zwar nicht die Arbeiter von Wien, aber es sangen laut, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Geiselhöring, ob jung oder alt, ob politisch rot, grün, orange oder schwarz. Es verband sie alle der Widerstand gegen die neue Rechte, gegen rassistische Politik, Hass und Desinformation, ein völkisches Frauenbild und Abschottung. Alle zusammen stehen sie für Demokratie, Vielfalt und Toleranz.

Homepage SPD Geiselhöring

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