Michael Meister!

Geiselhöring bleibt bunt

Veröffentlicht am 26.01.2026 in Allgemein

Gegen die Verblödung

Die Geiselhöringer AfD instrumentiert bei ihrem Stammtisch am 23.1. 2025 und anschließenden Beiträgen in den sozialen Medien bewusst den Autor Ödön von Horvath um ihren eigenen politischen Narrativen kulturelle und moralische Autorität zu verleihen. Das zitierte Wort „Wenn nur noch Gehorsam gefragt ist und nicht mehr Charakter, dann geht die Wahrheit, und die Lüge kommt“ wird dabei aus seinem historischen, literarischen und gesellschaftskritischen Kontext gerissen. Das Zitat stammt aus dem Roman Jugend ohne Gott, in dem ein Lehrer mit der faschistischen Gesinnung seiner Schüler konfrontiert wird. Es ist ein Plädoyer für Zivilcourage und kritisches Denken. Horváth thematisiert hiermit die Verrohung der Gesellschaft und den Verlust der Wahrheit in Epochen, die blindem Gehorsam Vorrang einräumen.

Ödön von Horváth (1901-1938) war ein scharfer Kritiker autoritärer Denkweisen, nationalistischer Verblendung und gesellschaftlicher Anpassung aus Angst. Seine Werke richten sich gerade gegen jene Mechanismen von Ausgrenzung, Vereinfachung und ideologischer Gefolgschaft, die heute von rechtspopulistischen und extremistischen Bewegungen vertreten werden. Eine Vereinnahmung seiner Worte durch die AfD steht somit im offenen Widerspruch zu Geist und Haltung seines Schaffens.

Die Nutzung dieses Zitats dient nicht der Auseinandersetzung mit Wahrheit oder Charakter, sondern der strategischen Umdeutung eines antifaschistischen Autors zur Legitimation einer Politik, die auf Spaltung, Misstrauen und autoritäre Denkmuster setzt. Eine solche Verzerrung literarischer und historischer Stimmen ist irreführend und respektlos gegenüber dem Vermächtnis Ödön von Horváths.

Literatur und Kultur dürfen nicht als dekorative Hülle für politische Ideologien missbraucht werden, die den Grundwerten von Offenheit, Verantwortung und Menschlichkeit widersprechen.

Horváths Werke (u.a. „Sladek der schwarze Reichswehrmann“, „Italienische Nacht“, „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Glaube Liebe Hoffnung“, „Jugend ohne Gott“) standen 1933 auf den Listen für die Bücherverbrennungen. Er selbst wurde 1936 aus Deutschland ausgewiesen und starb mit 37 Jahren bei einem tragischen Unfall im Pariser Exil. Erst in den 60er Jahren im Zuge der Studentenrevolte kehrten seine Stücke auf deutsche Bühnen zurück.

Der Uraufführung der »Italienischen Nacht« im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin am 20. März 1931 war am 1. Februar des Jahres eine Saalschlacht an Horváths Wohnort Murnau vorangegangen, bei der er Augenzeuge wurde: Der Überfall von einheimischen und mit Bussen und Bahn angereisten auswärtigen NSDAP-Anhängern auf eine SPD-Veranstaltung.

Bevor er endgültig deutschen Boden verlässt, besucht Horváth noch seine Eltern und schreibt am 1. April 1937 an einen Freund: »In München war es zuhause sehr schön, aber auf der Straße unwahrscheinlich grässlich. Dort ist selbst die Luft verblödet.«

Hieran sieht man erneut, dass der AfD jegliches Geschichts- und Demokratieverständnis fehlt und die Grundwerte unserer Verfassung negiert werden. Es ist für demokratische Kräfte nicht hinnehmbar, dass die AfD sich hier selbst mit dem Widerstand gegen das „Dritte Reich“ gleichsetzt. Er zeigt, welches krude, dumme und menschenverachtende Weltbild in den Köpfen der AfD-Vertreter herrscht! Eine solche Partei, deren Mitglieder sich immer wieder unsäglich disqualifizieren, ist unwählbar.

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